Johann Sebastian Bach

Singet dem Herrn ein neues Lied (Ps. 149, 1-3; Ps. 150, 2-6)
Motette für 2 vierstimmige Chöre

Singet dem Herrn ein neues Lied,
die Gemeinde der Heiligen sollen ihn loben.
Israel freue sich des, der ihn gemacht hat.
Die Kinder Zion sei'n fröhlich über ihrem Könige,
sie sollen loben seinen Namen im Reigen,
mit Pauken und Harfen sollen sie ihm spielen.

Gott, nimm dich ferner unser an,
denn ohne dich ist nichts getan mit allen unsern Sachen.
Drum sei du unser Schirm und Licht,
und trügt uns unsre Hoffnung nicht, so wirst du's ferner machen.
Wohl dem, der sich nur steif und fest
auf dich und deine Huld verläßt.

Wie sich ein Vat'r erbarmet üb'r seine junge Kinderlein,
so tut der Herr uns allen, so wir ihn kindlich fürchten rein.
Er kennt das arm Gemächte, Gott weiß, wir sind nur Staub,
gleich wie das Gras vom Rechen, ein Blum und fallend Laub!
Der Wind nur drüber wehet, so ist es nicht mehr da.
Also der Mensch vergehet, sein End das ist ihm nah.

Lobet den Herrn in seinen Taten,
lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Halleluja!

Johann Sebastian Bach
Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf
Motette für achtstimmigen Doppelchor

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf,
denn wir wissen nicht, was wir beten sollen,
wie sichs gebühret;
sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste
mit unaussprechlichem Seufzen.
(Römer 8, Vers 26)

Der aber die Herzen forschet, der weiß,
was des Geistes Sinn sei;
denn er vertritt die Heiligen nach dem,
was Gott gefället.
(Römer 8, Vers 27)

Du heilige Brunst, süßer Trost,
nun hilf uns, fröhlich und getrost
in deinem Dienst beständig bleiben,
die Trübsal uns nicht abtreiben.
O Herr, durch dein Kraft uns bereit
und stärk des Fleisches Blödigkeit,
daß wir hie ritterlich ringen,
durch Tod und Leben zu dir dringen.
Halleluja.
(Martin Luther, anno 1524)


Johann Sebastian Bach
Jesu, meine Freude
Motette

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier!
Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.
Es ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind,
die nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist. (Römer 8,1)

Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.
Lass den Satan wittern, lass den Feind erbittern, mir steht Jesus bei.
Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken: Jesus will mich decken.

Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig machet in Christo Jesu,
hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. (Römer 8, 2)

Trotz dem alten Drachen, trotz dem Todesrachen, trotz der Furcht darzu!
Tobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.
Gottes Macht hält mich in acht; Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.

Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnet.
Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. (Römer 8, 9)

Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust!
Weg ihr eitlen Ehren, ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewusst!
Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muss leiden, nicht von Jesu scheiden.

So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünden willen;
der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. (Römer 8, 10)

Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht.
Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht!
Gute Nacht, du Stolz und Pracht! Dir sei ganz, du Lasterleben, gute Nacht gegeben!

So nun der Geist des, der Jesum von den Toten auferwecket hat, in euch wohnet,
so wird auch derselbige, der Christum von den Toten auferwecket hat,
eure sterblichen Leiber lebendig machen, um des willen, dass sein Geist in euch wohnet. (Römer 8, 11)

Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein.
Duld' ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude. (Johann Franck, 1650)


Johann Sebastian Bach
Lobet den Herrn, alle Heiden (Psalm 117)
Motette

Lobet den Herrn, alle Heiden!
Preiset ihn, alle Völker!
Denn seine Gnade und Wahrheit
waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja!


Johann Sebastian Bach
Wachet! betet! betet! wachet!
Kantate, BWV 70

I. Teil

1. Coro
Wachet! betet! betet! wachet!
Seid bereit
Allezeit,
Bis der Herr der Herrlichkeit
Dieser Welt ein Ende machet.

2. Recitativo (Baß)
Erschrecket, ihr verstockten Sünder!
Ein Tag bricht an,
Vor dem sich niemand bergen kann:
Er eilt mit dir zum strengen Rechte,
O! sündliches Geschlechte,
Zum ewgen Herzeleide.
Doch euch, erwählte Gotteskinder,
Ist er ein Anfang wahrer Freude.
Der Heiland holet euch, wenn alles fällt und bricht,
Vor sein erhöhtes Angesicht:
Drum zaget nicht!

3. Aria (Alt)
Wann kommt der Tag, an dem wir ziehen
Aus dem Ägypten dieser Welt?
Ach, laßt uns bald aus Sodom fliehen,
Eh uns das Feuer überfällt!
Wacht, Seelen, auf von Sicherheit
Und glaubt, es ist die letzte Zeit

4. Recitativo (Tenor)
Auch bei dem himmlischen Verlangen
Hält unser Leib den Geist gefangen:
Es legt die Welt durch ihre Tücke
Den Frommen Netz und Stricke.
Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach;
Dies preßt uns aus ein jammervolles Ach!

5. Aria (Sopran)
Laßt der Spötter Zungen schmähen,
Es wird doch und muß geschehen,
Daß wir Jesum werden sehen
Auf den Wolken, in den Höhen.
Welt und Himmel mag vergehen,
Christi Wort muß fest bestehen.
Laßt der Spötter Zungen schmähen;
Es wird doch und muß geschehen!

6. Recitativo (Tenor)
Jedoch bei dem unartigen Geschlechte
Denkt Gott an seine Knechte,
Daß diese böse Art
Sie ferner nicht verletzet,
Indem er sie in seiner Hand bewahrt
Und in ein himmlisch Eden setzet.

7. Choral (Chor)
Freu dich sehr, o meine Seele,
Und vergiß all Not und Qual,
Weil dich nun Christus, dein Herre,
Ruft aus diesem Jammertal!
Seine Freud und Herrlichkeit
Sollst du sehn in Ewigkeit,
Mit den Engeln jubilieren,
In Ewigkeit triumphieren.

II. Teil

8. Aria (Tenor)
Hebt euer Haupt empor
Und seid getrost, ihr Frommen,
Zu eurer Seelen Flor!
Ihr sollt in Eden grünen,
Gott ewiglich zu dienen.

9. Recitativo con Choral (Baß)
Ach, soll nicht dieser große Tag,
Der Welt Verfall
Und der Posaunen Schall,
der unerhörte letzte Schlag,
Des Richters ausgesprochne Worte,
Des Höllenrachens offne Pforte
In meinem Sinn
Viel Zweifel, Furcht und Schrecken,
Der ich ein Kind der Sünden bin,
Erwecken?
Jedoch, es gehet meiner Seelen
Ein Freudenschein, ein Licht des Trostes auf.
Der Heiland kann sein Herze nicht verhehlen,
So vor Erbarmen bricht,
Sein Gnadenarm verläßt mich nicht.
Wohlan, so ende ich mit Freuden meinen Lauf.

10. Aria (Baß)
Seligster Erquickungstag,
Führe mich zu deinen Zimmern!
Schalle, knalle, letzter Schlag,
Welt und Himmel, geht zu Trümmern!
Jesus führet mich zur Stille,
An den Ort, da Lust und Fülle.

11. Choral (Chor)
Nicht nach Welt, nach Himmel nicht
Meine Seele wünscht und sehnet,
Jesum wünsch ich und sein Licht,
der mich hat mit Gott versöhnet,
Der mich freiet vom Gericht,
Meinen Jesum laß ich nicht.