Saison 2011


Südwest Presse, 18. Oktober 2011

Zu Gast bei Freunden

Der Maulbronner Kammerchor unter der Leitung von Jürgen Budday war am Sonntag "zu Gast bei Freunden" und begeisterte mit einem anspruchsvollen Programm das Publikum in der Geislinger Stadtkirche.

Mit den Worten "Zu Gast bei Freunden" eröffnete der Gastgeber, Stadtkirchen-Kantor Thomas Rapp, das Konzert des Maulbronner Kammerchores, der erstmals am Sonntag in der Stadtkirche konzertierte - Rapp hatte sein "Praktikum im kirchenmusikalischen Dienst" in Maulbronn geleistet und dort enge Kontakte zu Jürgen Budday und seinem exzellenten Kammerchor geknüpft. Dieser bot ein äußerst anspruchsvolles Programm, das unter dem Motto "Die Nacht leuchtet wie der Tag" Kompositionen aus drei Jahrhunderten umfasste.

Kompositionen, die allein schon aufgrund ihrer Besetzung aufhorchen ließen: Von der Doppelchörigkeit bei Sweelinck über einen achtstimmig gemischten Chor plus Solistenquartett im Nunc dimittis von Lukaszewski bis zu den 16-stimmigen Mahler-Bearbeitungen des langjährigen Schola cantorum Leiters Clytus Gottwald verlangt dies einem Chor das Höchstmaß an Stimmbeherrschung ab. Und der Maulbronner Kammerchor wurde dieser schweren Aufgabe in jeder der Kompositionen gerecht.

Der mit rund 45 Sängern gut besetzte Chor verfügt über einen äußerst homogenen Chorklang, aus dem nur an manchen Stellen die hohen Sopräne und Tenöre ein wenig herausfielen, rund und warm der Alt, der nicht nur in Mahlers "Ich bin der Welt" mit seiner Stimmfärbung gefiel. Die Bässe boten ein solides Fundament, wenngleich sie in polyphonen Passagen manchmal etwas an Kontur verloren.

Erster Höhepunkt war die Nummer eins aus dem "Liebe-Zyklus" von Peter Cornelius, der sich hier als Chorkomponist par excellence zeigt. Sphärische Frauenklänge, blitzsauber intoniert, wechseln sich ab mit volltönenden Männerchorpassagen. Jürgen Budday schafft den großen Bogen des Werkes, motiviert durch sein Dirigat. Kleine Intonationsschwächen in den Modulationen verzeiht der vom romantischen Chorklang begeisterte Zuhörer gerne.

Erich Whitacre ist nicht erst seit seinen "virtual choir"-Projekten einer der bekannten Komponisten des 21. Jahrhunderts. Seine Werke stehen für eine sehr auf meditativen Klang ausgerichtete Musik, die - mit Verlaub - ein wenig "weichgespült" daherkommt, aber ohne Zweifel sehr effektvoll ist, vor allem wenn sie so dicht und atmosphärisch dargeboten wird, wie es dem Maulbronner Kammerchor in "Noxaurunque" gelungen ist. Dass diese Musik dem Chor auf den Leib geschrieben zu sein scheint, konnte man in der Zugabe "Sleep" hören. Was beispielsweise der Mahler ein wenig vermissen ließ - ein Decrescendo bis ins dennoch stabile Pianissimo - bei Whitacre gelang es vorbildlich.

Clytus Gottwalds Bearbeitungen bereichern derzeit jedes Kammerchorprogramm, beindrucken immer wieder durch diese Auffächerung der Stimmen, die auch in der Stadtkirche zu einem Klangerlebnis der besonderen Art sorgte. "Die zwei blauen Augen" sind von ihrer Anlage her nicht einfach, da die Nahtstellen zwischen den einzelnen Teilen sehr fragil sind - Budday gelang durch ein recht straffes Tempo der Zusammenhalt. Etwas mehr Beweglichkeit in Tempo und Dynamik hätte man sich in der anderen Mahler-Bearbeitung, "Ich bin der Welt abhanden gekommen", gewünscht.

Viel überzeugender geriet da die Interpretation des Schweden Sven David Sandström, dessen Werk durch große Kontraste charakterisiert ist, die der Chor meisterlich herausgearbeitet hat.

Nach verdient langem Applaus nahm mit einer zweiten Zugabe "Guten Abend, gute Nacht" ein beeindruckendes Chorkonzert sein Ende und lässt die zahlreichen Hörer auf weitere derart hochkarätige Ensembles hoffen.



Schwarzwälder Bote, 17. Oktober 2011

Preisgekrönte Formation singt geradezu weltentrückt

Die Stadtkirche war schon voller. Aber wer am Samstagabend den Weg dorthin fand, erlebte ein faszinierendes Chorkonzert. Und beim nächsten Mal wissen die Balinger, was sie vom Maulbronner Kammerchor erwarten dürfen.

Jürgen Budday hat den Chor vor fast 30 Jahren gegründet. Dieser ist heute eine vielfach preisgekrönten A-Cappella-Formation. Ihr Gründer und Leiter wirkt bescheiden, ist weder Diktator noch Showmaster. Aber er hat eine genaue Vorstellung vom Wesenskern jeder Komposition und setzt sie überzeugend um. Er hat wunderbare Stimmen zur Verfügung, auch durchaus individuelle - das hört man, wenn der Chor sich bis zur 16-Stimmigkeit auffächert. Budday achtet diese Individualität und schweißt alle zu einer Einheit zusammen: klangmächtig, aber immer transparent, jeder Akkord mit Leben, mit Seele.

Diesmal hieß das Motto "Die Nacht leuchtet wie der Tag". Einen einzigen Abstecher in die Renaissance gestatteten sich die Maulbronner zu Beginn: Sweelincks Vertonung des 150. Psalms war ein jubilierender Einstieg.

Dann warfen sie Anker im 19. Jahrhundert, in romantischen Seelenlandschaften. Schnell wurde klar, dass das Motto nicht nur theologisch aufzufassen war, sondern die Licht- und Schattenseiten des Lebens überhaupt thematisierte. Man lernte dabei wenig bekannte, aber sehr hörenswerte Musik kennen. Besondere Höhepunkte waren die beiden Lieder von Gustav Mahler: "Die zwei blauen Augen" und "Ich bin der Welt abhanden gekommen", bei denen Clytus Gottwald das Orchester in einen vielstimmigen, geradezu weltentrückten Chorklang umgemodelt hat.

Drei Ausflüge ins 20. oder gar 21. Jahrhundert gab es, und die gingen wirklich unter die Haut: "Oh Lord, You Have Searched Me" des Schweden Sven-David Sandström ist eine Vertonung des 139. Psalms, der dem Abend das Motto gab. Im Gegensatz dazu erforschte der Pole Pawel Lukaszewski mit seinem "Nunc dimittis" den Piano-Raum und weitete ihn bis zur Unhörbarkeit. Tiefen Eindruck hinterließen schließlich die beiden Chöre des Amerikaners Eric Whitacre "Nox aurumque" und als Zugabe "Sleep". Sie beweisen, dass auf dem Boden konventioneller Klanglichkeit etwas ganz Neues, Eigenes entstehen kann und dass neue Musik nicht nur blasse Kopfgeburten oder abstruse Geräuschsammlungen hervorbringt.

Der Abend klang mit einer eindringlich-schlichten Vertonung des Vaterunsers von Otto Nicolai aus. Nach minutenlanger Stille brach der Beifall los.



Pforzheimer Zeitung, 5. Oktober 2011

Abschluss der Maulbronner Klosterkonzerte: Losgelöst von Raum und Zeit

Das andere einmal anders: Johannes Brahms Requiem unterscheidet sich in seiner Anlage, die ganz auf innerseelische Vorgänge ausgerichtet ist und nicht einen expliziten Christusbezug zum Inhalt hat, grundlegend von anderen Requiem-Werken. Der Maulbronner Kammerchor unter der Leitung von Jürgen Budday brachte nun zum Abschluss der Klosterkonzerte Maulbronn eine selten zu hörende Fassung zu Aufführung, in der das Orchester durch Klavier zu vier Händen ersetzt ist. Vieles erschien so klanglich in ungewohnter Beleuchtung. Veranlasst war die Reduktion der Besetzung ursprünglich durch Renovierungsarbeiten im Kloster und die Verlegung des Konzertes in das kleinere Herrenrefektorium. Der für diesen Rahmen nicht zu groß besetzte Maulbronner Kammerchor entfaltete in der ausgezeichneten, wenig Hall bietenden Akustik des voll besetzten Saales eine Präsenz, die jedes Detail glasklar in den Raum modellierte. Dass das sanfte Klangbett des Orchesters fehlte und durch den vergleichsweise durchlässigen Klaviersatz ersetzt war, kam dieser Wirkung überaus zugute.

Die einleitenden Takte wirken zunächst ungewohnt asketisch, wenn statt tiefer Streicher pochende Bässe des Klaviers erklingen. Der in schwebendem Piano rein und klar einsetzende Chor öffnete kontrastierend einen Klangbereich, der in dieser Konstellation in besonderer Weise als ätherisch losgelöst wahrzunehmen war. Instrumentierung und Raum wirkten konzentrierend auf ein unmittelbares Erleben der menschlichen Stimme. Interessanterweise ermöglichte dies bei der sensiblen und genauen Interpretation des Chores eine Intensivierung bei den leisesten Bereichen ebenso wie bei großen Spannungsaufbauten, die eine überraschende dramatische Vehemenz entwickelten. Andreas Grau und Götz Schumacher am Flügel begleiteten meisterlich. Sie enthielten sich stets jeglichen möglichen Pathos' oder gar Bombasts. Ihre Tongebung war durchweg samtig weich in Anlehnung an den Orchesterklang und stützte den jeweiligen Ausdrucksbereich von den tieferen Tonregionen aus. Außerordentlich subtil tarierten sie die Klangbalance zwischen ihrem Spiel und dem Chor aus, legten ihren Ton nie über den Chorklang, erreichten aber eine tragende Präsenz.

Der Bariton Josef Wagner schien im dritten Satz durch die ungewohnte Besetzung ohne Orchester in seiner Klanggebung verunsichert und reagierte mit unangepassten Schwelltönen. Es gelang ihm aber zunehmend, sich auf die Situation einzustellen. Er brachte seine Partie zu volltönender und wohlgestalteter Entfaltung und beeindruckte nun mit sicherer Ruhe. Ein besonderer Glanzpunkt bildete die Partie der Sopranistin Heidi Elisabeth Meier: Rund und strahlend, ausgewogen in allen Lagen, ein Gesang, der geradewegs in den Himmel zu führen scheint. Der Chor steigerte sich unter Budday nochmals im letzten Satz in ein auf das Feinste ausgestaltetes Stimmengewebe. Lang anhaltende Stille vor brausendem Applaus.



Mühlacker Tagblatt, 5. Oktober 2011, Rudolf Wesner

Im Kammerton gestaltete Trauermusik
Klosterkonzert-Saison schließt mit zwei andächtigen Aufführungen des „Deutschen Requiems"

Weil die Klosterkirche, wie mehrfach berichtet, gegenwärtig wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist, stand nur das wesentlich kleinere, keineswegs jedoch weniger würdevolle Herrenrefektorium im Kloster zur Verfügung. Jedoch war dort die Aufführung des Werks in der nur selten zu hörenden sogenannten Londoner Fassung für Kammerchor und einem Klavierduo möglich. Unter der eingebungsvoll ruhigen Leitung von Jürgen Budday erlebten die Besucher der beiden ausverkauften Aufführungen am Samstagabend und Sonntag-nachmittag das in den Jahren 1861 bis 1868 in vielen einzelnen Schritten entstandene „Deutsche Requiem" in seinem eindringlich anrührenden, beseelten Grundton. Der Maulbronner Kammerchor sowie die Solisten Heidi Elisabeth Meier (Sopran) und Josef Wagner (Bariton) wurden an zwei Flügeln von Andreas Grau und Götz Schumacher, die als international renommiertes Klavierduo in der Vergangenheit mehrfach bei Klosterkonzerten zu hören waren, begleitet. Johannes Brahms selbst fertigte die Fassung für diese Besetzung, die im Jahr 1871 in London zum ers¬en Mal erklang und daher als „Londoner Fassung" bekannt wurde.

In jener Zeit war es üblich, auf diese Weise Kompositionen, die zur Aufführung in ihrer Urfassung einen größeren Aufwand erforderlich machten, auch in kleinerem Rahmen darzubieten. Der Komponist arrangierte seine Trauermusik in deutscher Sprache für kammermusikalische Aufführungen offenbar nur äußerst widerwillig, denn, so war im Programmheft zu lesen, er weigerte sich, seinen Namen auf dem Titelblatt als Arrangeur vermerken zu lassen.

In der von hohen Säulen getragenen Halle des Herrenrefektoriums erlebte die Brahms-Komposition eine die Seele zutiefst berührende, eindringlich feierliche Aufführung. Die sieben Sätze des „Deutchen Requiems" stellen kein liturgisches Requiem dar, obschon ausschließlich biblische Texte darin vertont wurden.

Mit dem stets beglückenden und faszinierenden, ausgewogenen Stimmenvolumen des Maulbronner Kammerchors wurden Empfindungen wie Trauer und Trost, Vergänglichkeit und Auferstehung, Erlösung und Seligsprechung der Toten andachtsvoll artikuliert. Während die Partien für die beiden Gesangssolisten im Gesamtwerk relativ klein sind, fallen dem Chor die anspruchsvollsten gestalterischen Aufgaben zu, die der von Jürgen Budday im Lauf von fast 30 Jahren zu höchster sängerischer Qualität und Ausdrucksdichte geführte Maulbronner Kammerchor mit unvergleichlicher Intensität und Vollendung bewältigte. Das kurze Sopransolo im fünften Satz wurde von Heidi Elisabeth Meier mit glockenheller Stimme anrührend ausgeführt. Josef Wagner vermochte mit seinem warmen, sonoren Bariton seine Soli im dritten und sechsten Satz gleichfalls eindringlich innig darzubieten.

Die Begleitung durch das Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher war zwar von klarer und feinstimmiger Ausführung geprägt, hielt sich jedoch im Klangvolumen deutlich zugunsten der Stimmenfülle des Maulbronner Kammerchors zurück. Aber gerade dieses verhaltene Spiel der beiden exzellenten Musiker trug maßgeblich zur Verinnerlichung der erhaben ruhevollen Interpretation des „Deutschen Requiems" bei. Aus der räumlichen Not machte Jürgen Budday eine musikalische Tugend, mit der er und alle Mitwirkenden den Besuchern der beiden Aufführungen ein besinnliches, Nachdenklichkeit auslösendes Hörerlebnis schenkten.



Braunschweiger Zeitung, 20. September 2011, Rainer Sliepen

Töstliches Finale - Brahms` Requiem in Königslutter

Es ist schon ein merkwürdiges Ding mit dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms. Alle Hinweise auf Christus als Erlöser fehlen. Doch das ist folgerichtig. Denn nicht die Verstorbenen, sondern die Hinterbliebenen stellt Brahms in den Mittelpunkt. Und so beginnen beim Abschlusskonzert der Domkonzerte Königslutter das Braunschweiger Staatsorchester und der Maulbronner Kammerchor unter der Leitung von Jürgen Budday das sakrale Werk fast wie ein tröstendes Wiegenlied, mit sanft aufsteigenden Bässen, in ruhig fließendem Tempo.

Voller Wärme und Inbrunst setzt der Chor ein und vermittelt Zuversicht. Siebenmal vertont Brahms das Wort Freude. Daneben wird wie in einem Trauermarsch an die Vergänglichkeit allen Lebens erinnert. Budday gelingt es, die bohrende Mahnung "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" mit den Tröstungen der Lebenden zu verbinden.

Die Maulbronner vermitteln schlicht und innig den Sieg des Lebens über den Tod. Albrecht Pöhl bittet mit voluminösem Bariton kraftvoll um Einsicht in die Endlichkeit des Lebens, der Chor folgt ihm in naiver Gläubigkeit. Das vollzieht sich musikalisch aufregend wie in einem Ringen zwischen Furcht und Ergebung, zwischen Dramatik und demütiger Einsicht und endet schließlich triumphal in der großartigen Fuge "Der Gerechten Seele".

Ein weiterer Höhepunkt ist der charismatische Auftritt Helen Donaths. Voller Emphase und mit suggestiver Energie verkündet ihr mädchenhaft zarter Sopran die Freude der Auferstehung.

An die knüpft Brahms an, doch diesmal mit ungeheurer Dynamik und überwältigendem Pathos. Zuvor Albrecht Pöhl und der mystisch auf den Höhepunkt hinführende Chor "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis". Und dann folgt der gewaltige instrumentale und vokale Kontrast: Ein Ausbruch von Staatsorchester und Chor, der in seiner strahlenden Selbstsicherheit und Explosivität das Publikum geradezu überrennt: "Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg". Die anschließende Fuge bändigt den Jubel durch ihre strenge Form. Was bleibt, ist der getröstete Christenmensch. Orchester und Chor vereinigen sich im friedvollen Dialog. Nach langer ergriffener Stille dankbarer Applaus.



Mühlacker Tagblatt, 3. August 2011, Rudolf Wesner

Vokalensemble lädt zum Wanderkonzert
Den Maulbronner Kammerchor begleiteten viele Freunde auf einer außergewöhnlichen Tour

Bei der dritten Auflage dieser außergewöhnlichen Veranstaltung hatten sich wieder mehr als 250 Freunde angemeldet, um gemeinsam mit dem weithin anerkannten, von Jürgen Budday 1993 ge¬ründeten Vokalensemble die rund 15 Kilometer lange Wanderung in Angriff zu nehmen, die mit drei Kurzkonzerten des Chores bereichert wurde.

Nach einer musikalischen Begrüßung durch den Maulbronner Kammerchor, unter anderem mit dem Chorsatz „Geh aus mein Herz", den auch die Wanderer mit Freude mitsangen, im Kreuzganggarten des Klosters Maulbronn und einem Willkommensgruß durch Jürgen Budday begann die Wanderung in die Umgebung der Klosterstadt, die von Britt Mogge generalstabsmäßig bis ins Detail vorbereitet worden war.

Erstes Ziel war das Dorf Freudenstein. In der dortigen Kirche gab der Chor ein erstes Kurzkonzert mit Werken aus vier Jahrhunderten zwischen dem Barock und der Gegenwart. Hier wie auch später in der Kirche von Diefenbach beeindruckte der Maulbronner Kammerchor einmal mehr mit seiner reinen und klaren Stimmenfülle und der einfühlsamen, auch empfindungsreichen Gestaltungsdichte, wie diese als Markenzeichen des Ensembles von den Freunden feinstimmigen Chorgesangs geschätzt werden.

In Freudenstein nahm die gut gelaunte Wandergesellschaft auch ein wohlschmeckendes Mittagessen ein. Es gab Maultaschen mit Kartoffelsalat, zubereitet von dortigen Mitgliedern der Winzergemeinschaft. Gut gestärkt konnte danach die nächste Etappe nach Diefenbach in Angriff genommen werden.

Von dort ging es nach dem Kurzkonzert mit geistlichen Chorsätzen aus der Zeit der Romantik und aus dem 20. Jahrhundert weiter zum Schülenswaldhof zwischen Diefenbach und Zaisersweiher. Die Wandersleute erwartete hier eine reich gedeckte Kuchentafel. Exakt 50 Kuchen und Torten hatten die Frauen der Evangelischen Kirchengemeinde Zaisersweiher gebacken und gestiftet. Da konnten alle tüchtig zulangen, was sie auch mit großem Appetit und Vergnügen taten.

Zu der mittlerweile sehr fröhlichen Stimmung der Gesellschaft passten denn auch die von Jürgen Budday für ein Kurzkonzert unter freiem Himmel ausgewähl¬en weltlichen Kompositionen, etwa von Johannes Brahms. Doch auch ein mit tänzerischem Schwung von den Chormitgliedern dargebotener Song aus Südafrika sowie das Lied „Over the Rainbow" aus dem Musical „Der Zauberer von Oz" von Henry Arien waren sehr unterhaltsam. Das moderne Arrangement des Volksliedes „Kein schöner Land" von Wolfram Buchenberg bildete den wohlklingenden Abschluss.

Bei nicht zu warmen Temperaturen war die Wanderung für keinen der Teilnehmer zu anstrengend. Sie führte abschließend von Zaisersweiher zurück nach Maulbronn. Im Herrenrefektorium des Klosters erklangen Abschiedslieder, unter anderem der immer wieder tief berührende Satz „Sleep" für achtstimmigen Chor von Eric Whitacre. Gemeinsam mit dem Chor sangen die Wanderer „Der Mond ist aufgegangen", und schließlich stimmte der Maulbronner Kammerchor noch sehr stimmungsvoll das Lied „Guten Abend, gut Nacht" von Johannes Brahms an.



Oberhessische Presse, 11. Juli 2011, Michael Arndt

A-cappella-Gesang der Spitzenklasse

Nach drei turbulenten Tagen in Feierlaune konnte das Festpublikum am Sonntagabend wieder zur Ruhe kommen - den 40 Sängerinnen und Sängern aus dem Schwabenland sei Dank.

Es ist gute Tradition beim Stadtfest „Drei Tage Marburg", das Publikum mit besinnlichen Klängen in den Alltag zu geleiten. Bereits zum sechsten Mal kam dafür mit dem Maulbronner Kammerchor eine der weltbesten A-cappella-Formationen in die Elisabethkirche. Auch diesmal wurden die 40 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Jürgen Budday ihrem Ruf mehr als gerecht.

Mit atemberaubender Leichtigkeit durchmaß der Chor den koloraturenreichen Lobpreis „Halleluja! Lobet den Herrn!" in der Vertonung des niederländischen Barockmeisters Jan Pieterszoon Sweelinck und öffnete so das Tor zu einer abwechslungsreichen und nuancenreich gestalteten Reise durch romantische Seelenlandschaften, wobei die Werke nicht nur aus dem 19. Jahrhundert stammten, sondern auch aus der Gegenwart.

Das Motto des Programms „Die Nacht leuchtet wie der Tag" steht am Ende des 139. Psalms, den die Maulbronner in einer faszinierenden Vertonung des 1942 geborenen Schweden Sven David Sandström sangen: beginnend im schwebenden Piano und schließlich packend dramatisch zugespitzt. Vorangestellt hatte Elisabethkirchenkantor Nils Kuppe auf der Klais-Orgel eine klangfarbenreiche, auch dumpf grollend die Schrecken der Hölle ausmalende Improvisation über Sandströms sechs- bis zwölfstimmige Motette „O Lord, you have searched me".

Während es in den Werken der Romantiker Robert L. de Pearsall, Peter Cornelius und Ernst Friedrich Richter mehr um die Tagseiten der menschlichen Existenz ging, kamen in den zeitgenössischen Stücken des Amerikaners Eric Whitacre und des Polen Pawel Lukaszewski auch die Nachtseiten zum Tragen. Und beide schwangen mit in zwei ursprünglich für Solostimme und Orchester komponierten Liedern Gustav Mahlers, die Clytus Gottwald für Chor bearbeitet hat.

Die Maulbronner Sängerinnen und Sänger zogen dort alle Register ihrer phänomenalen A-cappella-Kunst: in „Die zwei blauen Augen" aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen" aufgeteilt in vier vierstimmige Chöre und in der traumverlorenen Rückert-Vertonung „Ich bin der Welt abhanden gekommen" als 16-stimmiger Chor, den die Soprane mit einem sensationellen Ausflug in die vokale Stratosphäre überstrahlten.

Nach Otto Nicolais eindringlich-schlichter „Vaterunser"-Vertonung belohnten die hellauf begeisterten 600 Zuhörer den Maulbronner Kammerchor mit nicht enden wollendem Beifall, für den sich die Sängerinnen und Sänger mit drei volkstümlich-schlichten Zugaben bedankten, als letzte das wundervolle Wiegenlied „Guten Abend, gut‘ Nacht" von Johannes Brahms.



Pforzheimer Zeitung, 05. Juli 2011

Zwischen Melancholie und Liebestraum

Mit seinem Stimmenglanz bestach und beglückte wieder einmal der Maulbronner Kammerchor am Sonntagabend beim Konzert im Herrenrefektorium des Klosters. Für das Konzert seines Chores hatte Kirchenmusikdirektor Jürgen Budday ein breit gefächertes Programm zusammengestellt mit Kompositionen, die zwischen dem frühen 17. und dem 21. Jahrhundert entstanden. Dieses weite Spektrum gab dem Maulbronner Kammerchor erneut Gelegenheit, mit seiner außerordentlich nuancenreichen Gestaltungskraft und seiner wandlungsreichen Stimmenführung die Konzertbesucher in hohem Maße zu begeistern.

Barocke Pracht entfaltet

Der Psalm 150 „Halleluja! Lobet den Herrn!" in der Vertonung von Jan Pieterszoon Sweelinck erklang in seiner barocken Pracht und erlebte durch den Maulbronner Kammerchor eine freudige, doch zugleich auch andächtige Aufführung. Sensible Innigkeit kam in einem Werk von Robert L. de Pearsall, der im frühen 19. Jahrhundert lebte, eindringlich zum Ausdruck. Ebenso selten zu hören wie dieser Chorsatz ist auch eine Psalmvertonung von Ernst Friedrich Richter aus dem 19. Jahrhundert, in der der Auszug Israels aus Ägypten dargestellt wird. Dem Chor gelang eine von dramatischen Akzenten durchzogene, mitreißende Interpretation der opulenten achtstimmigen Motette nach dem 114. Psalm.

Einen Schwerpunkt in den Programmen des Maulbronner Kammerchors bilden Kompositionen zeitgenössischer Tonschöpfer, etwa Eric Whitacre, 1970 geboren, oder Sven David Sandström, Jahrgang 1942. Von diesen sowie von Pawel Lukaszewski, der 1968 geboren wurde, waren geistliche Werke zu hören, in denen vielfältige Stimmungen und bewegende Empfindungen zum Teil auch in lautmalerischer Weise zum Ausdruck gebracht werden. Die Sängerinnen und Sänger entfalteten auch hier ihre unvergleichliche Stimmenfülle und ihre ausgeprägte Fähigkeit zu eindringlicher, emotionaler Gestaltung.

Mahler-Lieder interpretiert

Vor 100 Jahren starb Gustav Mahler und das war für Jürgen Budday ein guter Grund, in das Konzertprogramm Kompositionen aus dessen Feder aufzunehmen. Aus dem Zyklus „Lieder eines fahrenden Gesellen" war „Die zwei blauen Augen" zu hören. Angesiedelt zwischen Melancholie und Liebestraum führte der Maulbronner Kammerchor das von Clytus Gottwald bearbeitete Werk in wechselnden Tempi und in fein abgestuftem Stimmungswandel auf. Nach einem Text von Friedrich Rückert komponierte Gustav Mahler das Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen", hier als 16stimmiger Chorsatz dargeboten. Wieder berührte die kunstvolle klangliche Feinheit der Interpretation, mit der die kontrastreichen Stimmungen nachdrücklich hervorgehoben wurden. Mit „Pater noster" in der Vertonung von Otto Nicolai, gleichfalls ein nur sehr selten aufgeführtes Chorwerk, endete das Programm, doch konnte der Maulbronner Kammerchor das Podium erst nach zwei Zugaben als Dank für den tosenden Applaus verlassen.



Schwäbisches Tagblatt, 05. Juli 2011

Ein Vokal-Orchester

Als einer der deutsch-sprachigen Spitzenchöre ist der Maulbronner Kammerchor für seinen orchestralen Farbenreichtum berühmt. 1983 von Kirchenmusikdirektor Prof. Jürgen Budday gegründet, hat er sinen Sitz am Kloster Maulbronn. Die rund 50 Chorist(inn)en kommen aus ganz Süddeutschland zusammen. In der Stiftskirchen-Motette und auch im Bebenhäuser Kloster war das international gefeierte Ensemble bereits mehrfach zu Gast.

Direkt vor dem Auftritt in der Motette am Samstag hatten die Mitglieder des Motetten-Freundeskreises exklusiv die Gelegenheit, eine halbe Stunde Probenarbeit mitzuerleben. An die 700 Besucher kamen dann zum A-cappella-Programm "Die Nacht leuchtet wieder Tag", das zugleich zum Vielklang-Festival gehörte: großbesetze Chorwerbke mit acht bis 16 Stimmen.

Sweelinck komponiert in seinem 150. Psalm Nachhall- und Echoeffekte aus. Der opulente, volle Choklang überwältigte vom ersten Ton an. Nur waren die Männerstimmen anfangs noch zu massiv und pastos. Die durch den Kirchenraum rollenden Klangwellen beeidruckten, allerdings wichen manche Zhörer aus den ersten Bankreihen.

Auch wenn sich der Maulbronner Kammerchor seit 14 Jahren um Händesl Oratorien verdient gemacht hat, liegen seine Qualitäten eindeutig bei Romantik und Zeitgenössischem. Traumhaft schön entwickelten sich die fast instrumentalen Vokalfarben in Peter Cornelius´ "Liebe, dir ergeb ich mich". Robert Pearsalls "Great God of Love" im Neo-Renaissance-Stil klang teils nach einer Truhenorgel, so farbig verschmolzen die Stimmen, über allem der Klangschleier der hohen Soprane. Im zwölfstimmigen "O Lord, you have searched me" von Sven Sandström schienen Klang und Nachhall ineinander überzugehen: An- und ausschwingende Lichtstimmungen über einem breit gelagerten Bassfundament umgaben die Zuhröer. Man fühlte sich in einem endlos weiten Klanghimmel mit wechselnden Wolkenformationen und Beleuchtugen.

Wie geschaffen war der Chorklang für Clytus Gottwalds Mahler-Transkriptionen, Auffaltungen der Orchesterlieder auf sechzehn Vokalstimmen. In "Die zwei blauen Augen" meinte man, ein vokales Orchster zu hören. In der jenseitig transzendenten Musik von "Ich bin der Welt abhanden gekommen" verlor man jedes Gefühl für Raum und Zeit. Die Männerstimmen hatten in der Tiefe die weiche Sonorität von Celli, Kontrabässen und Fagotten.

Alle Interpretationen arbeiteten mit räumlichen Klangwirklugen. Noch gesteigert wurde der Raum-Effekt in Pawl Lukaszewskis "Nuc dimmittis" für achtstimmigen Chor und ein Solistenquartett, das von der Orgelempore antwortete. Hatte der Klang im Verlauf der Motette gewissermaßen seine Arme ausgebreitet und den ganzen Raum umfasst, versammelte Otto Nicolais "Pater noster" zuletzt wieder alle Stimmen zu einem geschlossenen, kollektiven Klang.


 

Schwäbisches Tagblatt, 26. Mai 2011, Christoph Rotfuss

Stereoartige Raum-Klangwirkung
Maulbronner Kammerchor zeigte in der Stiftskirche einen verblüffenden Farbenreichtum

Passend zum Sonntag „Kantate" (singet!) war in der Stiftskirche der Maulbronner Kammerchor zu Gast. Der Chor zählt zu Deutschlands Spitzenchören - und das zu Recht, wie die Akteure unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Professor Jürgen Budday bewiesen. Am Beginn stand ein Werk aus dem Barock: „Der 150. Psalm" von Jan P. Sweelinck (1562 bis 1621). Der Chor spinnt ein feines Gewebe, das sich organisch weiterentwickelt, die Musik ist rhetorisch geprägt. „Lobt ihn" wird inständig wiederholt, über allem schweben anmutige Koloraturen im Sopran. Der Maulbronner Kammerchor besitzt einen transparenten kristallklaren Klang, alles ist gut durchhörbar. Robert L. de Pearsalls (1795 bis 1856) „Great God of Love" ist getragen, ja sphärisch und wird getragen von Vorhaltstönen, die immer wieder aufschwellen. Jürgen Budday ist ein denkbar guter Dirigent für diese Musik; seine Bewegungen sind fließend und behutsam, dennoch immer präzise. Er entlockt seinem Ensemble Feinheiten, die unter die Haut gehen. Gustav Mahlers (1860 bis 1911) „Die zwei blauen Augen" in der Bearbeitung von C. Gottwald für vier vierstimmige Chöre ist aus mindestens zwei Gründen ein faszinierendes Stück: zum einen changiert Mahler ständig zwischen den Tongeschlechtern, und zum anderen ergibt sich eine stereoartige Raum-Klangwirkung. An einer Stelle scheint das Lied beendet zu sein, dann blüht es allerdings noch einmal auf: ein beglückender Moment für jeden Zuhörer.

Es folgte „Liebe, dir ergeb ich mich" von Peter Cornelius (1824 bis 1874), ein reizvoller doppelchöriger Wechselgesang. Nach einem spannungsvollen Sekundakkord erfolgt eine archaische, schaurig-schöne Unisono-Passage. „Nox aurumque" von Eric Whitacre (geboren 1970) lebt von Dissonanzen, die himmlische Schwebungen erzeugen, der Chor singt diese traumhaft schön. Beim Wort „lacrimas" (Tränen) überzeugt das Ensemble durch ausdrucksvolle Aufwärtssprünge. Weitere Werke von Morten Lauridsen (geboren 1943), Ernst Fr. Richter (1808 bis 1879), Sven D. Sandström (geboren 1942) und Pawel Lukaszewski (geboren 1968) zeigten die gestalterische Sicherheit, die Jürgen Budday mit dem fantastischen Klangkörper erarbeitet hat. Die Texte sind an den Gott adressiert, der der Allumfasser des letzten Paradoxes ist. Der Chor verfügt im piano- und pianissimo-Bereich über einen Farbenreichtum, der verblüffend ist. Knapp über der physikalischen Hörschwelle zelebrieren die Sängerinnen und Sänger einen wahren Überfluss an Nuancen, der weiterträgt. Schillernd-oszillierende Flächen breiten sich aus, stufenweise entwickelt sich der Klang, und jeder Akkord lebt, ist beseelt. Das Ergebnis ist Musik, die metaphorisch dicht ist, echte Klangrede. Kurz vor Ende bietet der Maulbronner Kammerchor mit „Ich bin der Welt abhanden gekommen" von Mahler - wiederum in der Bearbeitung von Gottwald - den Kalvarienberg des spätromantischen Chorgesanges. Sage und schreibe sechzehn Stimmen fügen sich zu einem detaillierten Ganzen, das in seiner Wirkung berückend ist. Der Schlusspunkt wurde mit dem „Pater noster" von Otto Nicolai (1810 bis 1849) gesetzt. Ein passgenaues Gefüge, dass höchste Eindringlichkeit ausstrahlte. „Die Nacht leuchtet wie der Tag" (Ps. 139, 12) - so lautete das Motto des Abends. Und in der Tat, bei diesem Konzert in der vollbesetzten Stiftskirche konnte man kostbares Leuchten miterleben und nach Hause tragen.

 

 

Boren Maulbronn