Saison 2012

Schwäbische Zeitung, 18. November 2012, r.

Maulbronner Kammerchor singt von Liebe und Leid

Wer an diesem nebligen Samstagabend den Weg in die evangelische Stadtkirche gefunden hat - und es waren viele -, der wurde mit einem nicht alltäglichen Musikgenuss belohnt. Denn das im Rahmen der Friedensdekade veranstaltete Konzert des Maulbronner Kammerchors, zum zweiten Mal zu Gast in Ellwangen, ließ mit seinem aktuellen, schon durch die vielstimmige Besetzung anspruchsvollen Programm „Liebe und Leid" keine Wünsche offen.

Weit spannte der mit rund 45 Sängerinnen und Sängern besetzte A Cappella-Chor unter der Leitung seines Gründers Jürgen Budday den musikalischen Bogen. Die Liebe zu Gott besang das feierliche Madrigal „Great God of Love" von Robert de Pearsell. Der zeitgenössische schwedische Komponist Sven-David Sandström vertonte die Verse des Psalms 139. Der Chor sang sein lobpreisendes „Oh Lord, you have searched me" klar artikuliert und feinfühlig bis in den letzten Ton. Das schwerblütige Thema Liebe und Leid beschäftigte nicht zuletzt die Romantiker. Peter Cornelius' Motetten-Zyklus „Liebe" nach Texten von Angelus Silesius für vier-, sechs- und achtstimmigen Chor war neben dem 1997 von Jaakko Mäntyjärvi komponierten Requiem auf den Untergang der Ostseefähre „Estonia" drei Jahre zuvor, der 852 Menschen das Leben kostete, ein Höhepunkt des Konzerts. In machtvollem Aufschrei brachte der Chor mit zwei ausgezeichneten Solisten die Klage menschlichen Leids ausdrucksstark zu Gehör, bis leise wispernde Stimmen schließlich ganz verstummten.

Als Idealbesetzung für Adaptionen der „Lieder eines fahrenden Gesellen" des 25-jährigen und unglücklich verliebten Gustav Mahler erwiesen sich die Maulbronner mit „Ich bin der Welt abhanden gekommen" für 16-stimmigen Chor und besonders mit Mahlers „Die zwei blauen Augen", arrangiert vom Chorspezialisten Clytus Gottwald. Durch geschickte Aufteilung nutzte der Chor das gesamte Kirchenschiff und tauchte die Zuhörer ein in raumfüllende sphärische Klangwelten. Hans-Werner Zimmermanns Chorfantasie „Wachet auf, ruft uns die Stimme" folgten drei von Moses Hogan arrangierte, eindrucksvolle Spirituals, die von eigenen Glaubenserfahrungen erzählten und das vielfältige Bild von Liebe und Leid abrundeten.

Stehende Ovationen für einen hochkarätigen Chor mit homogenem Klangcharakter und in dieser Perfektion selten gehörten Höchstmaß stimmlicher Beherrschung, der Solisten Raum ließ und als Ensemble auch mit zwei Zugaben begeisterte.


 

Pforzheimer Zeitung, 22. Juli 2012, Rudolf Wesner
Maulbronner Kammerchor besticht mit seiner hohen Stimmkultur

Maulbronn. Zeitgenössische Chorwerke und auch solche aus der Zeit der Romantik standen auf dem Programm des Konzerts des Maulbronner Kammerchors in der Klosterkirche. Die Liebe und das häufig daraus wachsende Leid waren die Themen der Werke, die unter der Leitung von Jürgen Budday eindringliche und in den Stimmungen sehr fein differenzierte Aufführungen erlebten.

Ein „Cantate domino" des englischen Komponisten John Rutter war am Anfang zu hören. Häufiger Taktwechsel verlangte von den Chormitgliedern eine äußerst geschmeidige Stimmenführung. Doch zugleich konnte der Kammerchor bereits mit diesem emotionalen Werk seine beeindruckende Kultiviertheit der Stimmen deutlich hervortreten lassen. Die sonore Fülle der Tenöre und Bässe verband sich mit dem strahlend hellen Glanz der Soprane und Altstimmen. Daraus entfaltete sich jener ausgewogene Gesamtklang dieses zu Recht zu den bedeutendsten Chören in Deutschland zählenden Vokalensembles. Drei Motetten komponierte Peter Cornelius nach Gedichten von Angelus Silesius. Jürgen Budday ließ die Kompositionen mit ihrer weitgespannten Melodik vom Kammerchor empfindungsreich gestalten, ohne dabei in pathetische Verklärtheit zu verfallen. Erschütternd war das Chorwerk „Canticum Calamitatis Maritimae" von Jaakko Mäntyjärvi, der damit ein Requiem auf den Untergang der Fähre „Estonia" in der Ostsee im Jahr 1994 schrieb. Murmeln und Flüstern der Chormitglieder erzeugte eine gespenstische Atmosphäre, über die sich eine hohe Stimme mit einer
bewegenden Klage erhob. In diesem Werk bewies der Chor erneut seine bis in kleinste Details perfekte Gesangstechnik, mit der auch Passagen des Sprechgesangs beherrscht werden. Das war eine hochgradig ausgereifte Interpretation, was auch auf die Wiedergabe der Motette „The eternal Sun" von John Taverner ein weiteres Mal zutraf. Auch diese Komposition enthält eine Fülle komplizierter Takt- und Harmonieveränderungen, die in solcher bravourösen Vollendung eben nur ein auf höchstem künstlerischem Niveau etablierter Chor auszuführen vermag.

Gustav Mahlers Lied „Die zwei blauen Augen" erklang in seiner herben Melodik eindringlich und wehmütig. Im Kontrast dazu stand ein gewaltiges Chorwerk von Heinz W. Zimmermann über die drei Strophen des Chorals „Wachet auf, ruft uns die Stimme". Das klanglich sehr abwechslungsreich angelegte Stück gestaltete der Maulbronner Kammerchor in seinem rhythmischen Drängen und unvergleichlicher sängerischer Impulsivität.

Freudig bewegt und nicht minder expressiv stimmte der Maulbronner Kammerchor abschließend drei von Moses Hogan neu gesetzte Spirituals an. Auch hier war es das sichere rhythmische Gefühl der Sängerinnen und Sänger, die diese Stücke zu einem temperamentvollen Finale werden ließen.


Leonberger Kreiszeitung, 25. Juni 2012, Alexander Walther
Konzert voll harmonischer Balance

Leonberg. Beim Auftritt in der Stadtkirche hat der blendend aufgelegte Maulbronner Kammerchor mit einer erstklassigen Darbietung für Jubelstürme im Publikum gesorgt.

Für einen romantischen Auftakt hat in der Leonberger Stadtkirche die "Cantate Domino" von John Rutter gesorgt - vom vorzüglich disponierten Maulbronner Kammerchor unter der inspririerenden Leitung von Jürgen Budday facettenreich dargeboten. Auch in der Folge gefielen nicht nur die Unisono-Passagen, sondern zudem der ausgezeichnet betonte Cantus-firmus-Charakter des altkirchlichen Hymnus' "Veni Creator Spiritus". Auch die harmonische Balance des schwungvollen Dreitaktes wurde immer gut gehalten.

Der Charakter poesieerfüllter Miniaturen lebte beim Motetten-Zyklus (nach Texten von Angelus Silesius) von Peter Cornelius voll auf. "Liebe I", "Liebe II" und "Liebe III" überzeugten mit reichen, dynamischen Kontrasten und feinsinnigen, melodischen Bögen, die von reizvoller Chromatik durchsetzt waren. Dabei bewies der Maulbronner Kammerchor sine besondere gesangle Qualität, die sich im Laufe des Abends noch erheblich steigerte. Beim dirtten Teil gelang es Jürgen Budday, den Reiz und Glanz der Modulationen mit hymnischer Emphase zu beschwören. Die innere Glut des bemerkenswerten Vortrags blieb immer zu spüren. Eine aufregende Begegnung hatten die Zuhörer dann bei "Canticum Calamitatis Maritimae" von Jaako Mäntyjärvi, das dieser als Requiem auf die Toten des Schiffsunglücks der Estonia 1994 in der Ostsee komponiert hatte. Insbesondere die rhythmischen Akzente dieser wertvollen Komposition wurden von dem hervorragend deklamiertenden Maulbronner Kammerchor exzellent betont.

Nicht weniger faszinierend waren die farbigen und aufregenden Harmoniefortschreitungen und Akkordfolgen von "The eternal Sun" des englischen Komponisten John Tavener. Die ausgefeilte Intonation beeindruckte das Publikum ganz besonders. Hier wurde dem großen Chor ein kleiner und räumlich getrennter Chor gegenübergestellt. Dies war akustisch sehr reizvoll und fesselnd. Ein weiterer Höhepunkt waren "Die zwei blauen Augen " von Gustav Mahler im Chorarrangement von Clytus Gottwald. Die eigene Tonsprache Mahlers trat dabei aufgrund des sensiblen Dirigats von Jürgen Budday besonders hervor, zumal der Maulbronner Kammerchor dabei im gesamten Kirchenschiff verteilt war.

"Wachet auf, ruft uns die Stimme" von Heinz Werner Zimmermann spielte kunstvoll mit verschiedenene Stimmkombinationen und erinnerte zuweilen in seiner ausufernden Harmonik an Max Reger. Bei den Übereinanderschichtungen der einzelnen Chor-Gruppierungen kamen der Hang zu bitonalen und tritonalen Passagen und sogar Cluster-Bildungen voll zum Vorschein.

Zuletzt rissen die "Drei Spirituals" von Moses Hogan das zahlreich erschienene Publikum in der Stadtkirche zu Bgeeisterungsstürmen hin. Chromatisch aufwühlend und gesanglich elektrisierend war "Cert'nly Lord" gestaltet. In dem Spirtiual "Didn't My Lord Deliver Daniel?" verstand man zwischen kurzen, rhythmischen Phrasen sofort die Situation des aus dem Löwenrachen befreiten Daniel. Zuletzt gefielen die Crescendo-Passagen bei "I Can Tell The World". Als Zugabe folgte ein plattdeutsches Gute-Nacht-Lied, wobei sich der Kammerchor wieder im gesamten Kirchenschiff verteilte.


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