Presse-Artikel 2015

Schwarzwälder Bote, 19. Mai 2015, Maria Kosowska-Németh

Zuhörer genießen die schöne Symbiose

Nagold. Mit einem fulminanten Erfolg schloss sich der Maulbronner Kammerchor der Nagolder Chorkonzertreihe in der Stadtkirche an. Erst eineinhalb Jahre nach der Einladung konnte das großartige Ensemble dem Ersuchen von Peter Ammer folgen. Mehrere CD- und Rundfunkaufnahmen, preisgekrönte Wettbewerbe und Konzerte im In- und Ausland nehmen eben sehr viel Arbeit und Zeit in Anspruch.

Die Gesangsformation entstand 1983 auf Initiative des ehemaligen Seminarmusiklehrers und künstlerischen Leiters der Klosterkonzerte Maulbronn, mittlerweile zum Professor ernannten Jürgen Budday. Von Beginn an führt er seine etwa 40 überwiegend dem Evangelischen Seminar am Kloster Maulbronn entstammenden semiprofessionellen Chormitglieder von Erfolg zu Erfolg.

Dem Nagolder Publikum präsentierten die Sänger etliche Rosinen aus ihrer enormen Repertoire-Bandbreite. Unter dem Gesamttitel "Von Gott zu Gott" erklangen die Werke – hauptsächlich mehrstimmige Motetten – von Giovanni Gabrieli, Gottfried Homilius, Ludvig Norman, Lucas de Pearsall, Lieder von Johannes Brahms und einige gegenwärtige Kompositionen.

Im Zentrum der Darbietung stand der Text, dessen religiösen Inhalt die Musik um ein Mehrfaches potenzierte. Klangvolle Bässe, tonreiche Mittelstimmen und edle Soprane fassten die Aussagekraft der Lobhymne und Gebete in einen kompakten und doch transparenten, hochemotionellen Gesangsrahmen ein. Außen vor blieben all die technischen Mittel, welche die Auswirkung der Gesänge verstärkten – tückische Modulationen, harmonische Verschiebungen, dichte Werkstruktur oder rhythmische Gefahren. Letztendlich genossen die Zuhörer in vollen Zügen nur die Schönheit an Symbiose von Wort und Musik.

Auf eine sanfte Weise, mit wenigen diskreten Gesten verlangte der Dirigent Budday dem Chor ein Maximum an Ausdruck und Präzision ab, damit erreichte er ein reiches Klangvolumen von expressiver Stärke und dynamischer Spannweite. Auch die Klangfarben variierten zwischen Gesang und instrumentaler Illusion, oftmals hüllten die Sänger das Auditorium in sphärische Nebel ein ("He carried me away" von James Whitbourn), lösten die anmutig wirkenden Dissonanzen auf ("Immortal Bach" von Knut Nystedt) oder schälten aus dem undefinierbaren Schluss-Cluster einen wohlklingenden Akkord heraus ("O lux beata trinitas" von Ko Matsushita).

Lange Zeit nach den letzten Tönen von Brahmsschen "Fest- und Gedenksprüchen" hielt die andächtige Stille im Gotteshaus – höchste Belohnung für einen Tonkünstler – erst dann platzte die Beifall-Blase. Und dem Publikum reichten die satten fünf Viertelstunden exklusiver Chormusik definitiv nicht. Für die Zugaben reihte sich der Maulbronner Kammerchor entlang der Kirchenachse auf, und die Zuhörer, direkt in der Klangmitte sitzend, genossen zwei Abschiedsgeschenke – "Gute Nacht" in Plattdeutsch und "Wiegenlied" von Brahms.

 


 

 

Pforzheimer Zeitung, 10. Mai 2015, Silke Fux

Eröffnungskonzert des Nordschwarzwaldtags auf hohem Niveau

Der offizielle Startschuss des Nordschwarzwaldtags fiel auf der Sparkassenbühne der Gartenschau mit einem gelungenen Eröffnungskonzert des Maulbronner Kammerchors unter der Leitung von Jürgen Budday. Dieses Highlight musikalisch angekündigt hatte zuvor der Trommler- und Pfeiferkorps Mühlacker.

„Der Nordschwarzwaldtag ist eröffnet und wurde von einer substanziellen Veranstaltung getragen und bereichert“, schwärmte Jürgen Kurz, Vorsitzender des Regionalverbandes Nordschwarzwald, am Ende des Konzerts. Kirchenmusikdirektor Budday wählte als Liedgut für seinen stimmgewaltigen Chor nicht nur kirchliches, sondern auch weltliches aus. So reichte das ansprechende Repertoire beispielsweise von „Jubilate Deo“ über „Komm, lieber Mai“ nach der Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart und einen schwedischen Lobpreis der Natur bis zu „Over the rainbow“.

Das Publikum, darunter auch der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum sowie die Landtagsabgeordneten Viktoria Schmid und Hans-Ulrich Rülke, Kommunalpolitiker, Vertreter des Regionalverbandes sowie PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer, genoss die Bandbreite auf hohem Niveau. Stürmischen Applaus erntete auch Tenor Andreas Gerteis für sein Gospel-Solo in „Cert’nly Lord“. Denn mit Gospels zeigte der Kammerchor eine weitere Facette. Zum Schmunzeln regten Titel wie „Gabi, Gabi“ an oder aber die Zugabe, ein Abendlied mitten am Tag.

Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider hatte zu Beginn nicht zu viel versprochen, als er den Kammerchor als Aushängeschild der Region und auch darüber hinaus bezeichnete. Sicherlich mit ein Grund, weshalb der Maulbronner Kammerchor offiziell den Startschuss für den Nordschwarzwaldtag mit 100 Veranstaltungen in 16 Städten und Gemeinden setzte. „Es ist ein großes Netzwerk der Institutionen und schafft die Möglichkeit, den Nordschwarzwald von der besonderen Seite zu zeigen und die Regionen zu verbinden und zusammenzuführen“, betonte Kurz und dankte den Geldgebern.

 


 

 

Der Teckbote, 23. April 2015, Mona Beyer

Und die Zeit steht still

Stefan Weiller tourt seit zwei Jahren mit seinem Projekt ­„Letzte Lieder“ durch die ­Republik. Er zeigt darin in beeindruckender Weise ­Menschen, die in ihrer letzten Lebensphase sind: ihre Geschichten, ihr Leben und ihre letzten Lieder. Am 25. April ist er damit in der Kirchheimer Martinskirche zu Gast und hat hochkarätige Unterstützung dabei.

Kirchheim. Weder „Konzert“, noch „Lesung“, noch „Performance“ beschreiben, was Stefan Weiller am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr in der Martinskirche vor hat. Er ist seit fünf Jahren in Deutschland unterwegs und spricht mit Menschen in Hospizen und Altenpflege-Einrichtungen, die nicht mehr lange leben werden. Nicht einmal den Zeitpunkt der Aufführung werden sie noch miterleben. Seine Erfahrungen und Gespräche möchte er mit anderen teilen – in Erzählungen, Bildern, Videos, Klängen und vor allem Liedern. Lieder, die die Menschen in ihrem Leben begleitet haben und es irgendwie geprägt haben.

Dabei gibt es keine Tabus, musikalische Stilbrüche sind sogar erwünscht: eine flirrende, leichte Operette gefolgt von einem Sterbechoral, Popmusik und Barockmusik am selben Abend. „Wir suchen nach dem Kern der Lieder“, sagt Stefan Weiller. „Es geht nicht darum, einfach ein Cover auf die Bühne zu bringen.“ Für die Veranstaltung hat der Frankfurter Projektkünstler hochkarätige Unterstützung an Bord: Als Sprecherinnen sind Hansi Jochmann, die deutsche Stimme Jodie Fosters, und Daniela Fonda engagiert. Musikalisch gestalten den Abend unter anderem der Maulbronner Kammerchor, die Capella Martini, die Popband Ason und der Kirchheimer Bezirkskantor Ralf Sach, der den Künstler schon seit längerer Zeit begleitet.

„Wenn man die Geschichte von einem Menschen, der am Ende seines Lebens steht, hört, ist das brutal“, erzählt Stefan Weiller. „Gleichzeitig ist es eine tröstliche Erfahrung für die Zuschauer, zu sehen, dass man Lebensqualität bis zum Schluss bewahren kann.“ Er ist auf die Projektidee gekommen, als er selbst ein Hospiz besuchte – damals noch als Journalist. „Aus dem Zimmer der Frau, die ich besuchen sollte, ertönte lautstark Schlagermusik.“, erzählt er. Die Furcht, die er vorher vor dem Besuch hatte, verflog sofort, als er die Frau sah. „Wir haben einfach die ganze Zeit über Musik geredet.“ Die Begegnung hat ihn so nachhaltig geprägt, dass er seinen Job kündigte und sich auf die Suche nach weiteren Geschichten und den letzten Lieder von Sterbenden machte. Fast allen gefällt, dass es von ihnen etwas gibt, das weiter reicht als das irdische Leben. „Wir begegnen bei der Veranstaltung lebenden Menschen, keinen Toten“, fährt er fort. Eigentlich sei es kein schwermütiger Abend: Er sehe die Zuschauer zwar weinen, aber auch oft schallend lachen. In jedem Fall bewege das Thema die Leute und manchmal ändere es auch ihr Leben. Für Bezirkskantor Ralf Sach ist die Veranstaltung eines der Highlights der letzten zehn Jahre. Stefan Weiller und die „Letzten Lieder“ waren schon in mehreren deutschen Großstädten zu Gast und haben einige Tausend Zuschauer angezogen.

 


 

 

mit freundlicher Genehemigung der

Allgäuer Zeitung, 7. März 2015, Gabriele Schroth

Ein Konzert als Bekenntnis

Auftritt: Die Chöre, die zum Jubiläum von Musica Sacra International und des Internationalen Kammerchorwettbewers singen, atmen den Geits des Pfingstfestival

Marktoberdorf. Das Jubiläumskonzert "25+" zum 25-jähirgen Bestehen des Internationalen Kammerchor-Wettbewerbs und von Musica Sacra International in der voll besetzten Stadtpfarrkiche St. Martin in Marktoberdorf glich einem Bekenntnis. Schon das Leipziger Vokalquintett Calmus schien mit seiner unvergleichlichen Klangkultur den besonderen Geist der beiden Pfingstfestivals zu verkörpern. Daneben präsentierte der Nachfolger von Festivalgründer Dolf Rabus, Professor Jürgen Budday, mit dem Auftritt seines ausdrucksstarken, fein geschliffenen Maulbronner Kammerchor sein musikalisch-künstlerisches Credo als Mitglied im Leitungsteam von Musica Sacra und neuer Chef des Kammerchor-Wettbewerbs.

Von Flüstern bis Jubeln

Bei dem geistlichen Programm konnte der 1983 gegründete 42-köpfige Chor gerade mit einem zeitgenössischen Werk wie Jaakko Mäntiyjärvis „Requiem“ mit lateinischem Sprechgesang und Lautmalerei seine ganze Stimmvirtuosität und Klangbrillanz entfalten. Von wisperndem Flüstern und schwarzfarbener Wucht bis zu jubelnder Helligkeit, beherrschte der Kammerchor die Facetten dramatischer Erregung.

Bei dem althochdeutschen Weingartener Reisesegen „Von 55 Engeln behütet“ zeigte Chorleiter Jürgen Budday den aus dem Oberallgäu stammenden Komponisten Wolfram Buchenberg als faszinierenden Klangmeister. Mit dem „Agnus Dei“ (1840) des Engländers Lucas de Pearsall beschwor Budday wiederum ein herrlich weichströmendes Klangbild.

Auch das Vokalensemble Calmus setzte bei seinem aufregenden Parcours durch drei Psalmvertonungen auf ein Werk des Allgäuers Wolfram Buchenberg, eine Auftragskomposition für Calmus aus dem Jahre 2009. Das Publikum in der Stadtpfarrkirche hielt den Atem an bei dieser Calmus-Interpretation des 104. Psalms „Lobe den Herrn!“ mit ihrem filigranen Stimmgeflecht, das immer wieder in kühnen Intervallen zu einem lichten dissonierenden Akkord verschmolz.

Sopran und Countertenor

Das Ensemble mit seiner vorklassischen Fünfstimmigkeit und den charakteristisch rahmenden Stimmen von Sopran und Countertenor entwickelte ebenso bei Wilhelm Weismanns Vertonung des 23. Psalms eine kostbar blitzende Stimmreinheit, der der neue junge Bass Manuel Helmeke betörende Wärme verlieh. Zur eigentlichen Überraschung aber geriet die Aufführung der original fünfstimmigen Komposition zum 116. Psalm des frühbarocken Meisters Heinrich Schütz. Hier tauchte das Gesangsquintett tief ein in Seelenaufruhr und Klage und entfaltete seine beglückend schattierungsreiche Gestaltungskunst.


 



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