Aktuelle Pressestimmen

Marbacher Zeitung, 26. März 2018, Frank Wittmer

Klangbogen vom Morgen bis zum Abend

Pleidelsheim. Ganz exklusiv hatten rund 200 Zuhörer am Sonntagabend schon Gelegenheit, das Programm des Maulbronner Kammerchors zum 35. Jahr des Bestehens zu hören. Reichlich Gelegenheit wird es auch beim Jubiläumskonzert am 23. Juni in Maulbronn geben.

„Wir freuen uns, in dieser tollen, frisch renovierten Kirche zu singen und sie mit Tönen und Licht zu füllen“, sagte der erst 28 Jahre junge Dirigent Benjamin Hartmann, der 2016 in die großen Fußstapfen von Jürgen Budday getreten war. Das namensgebende Gedicht von Clemens Brentano, das Johannes Brahms im Abendständchen vertont hat, machte den Auftakt zu dem Liederreigen, der vom Morgen bis zum Abend sich dem Thema „Licht“ widmete. „Durch die Nacht, die mich umfangen, blickt zu mir der Töne Licht.“

Die vielfältigen Facetten der Chormusik sollen nicht nur das Ohr ansprechen, so Hartmann, sondern alle Sinne sollen sich öffnen dürfen. „Wir versuchen, den Tönen Farben zu geben und mit Musik Licht zu erzeugen.“

So ging es mit dem zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter weiter, der für seine „im besten Sinne seichte, gefällige Chormusik“ bekannt ist, mit der „Hymn to the Creator of Light“ aber ein anspruchsvolles, doppelchöriges Werk komponiert hat. „Es ist sogar bitonisch, das bedeutet, die Chöre singen in unterschiedlichen Tonarten“, erklärte Hartmann. Fast schrill löste sich der Kontrast in Harmonien auf, ein Erlebnis das man an diesem Abend noch öfter hatte.

Um es kurz zu sagen: Die Interpretation, die gesangliche Klasse des Maulbronner Kammerchors ist über jede Kritik erhaben, von den abgrundtiefen und dennoch samtweichen Bässen bis hin zu den ausdrucksstarken Frauenstimmen beherrschen die 35 Sängerinnen und Sänger mit beachtlicher Dynamik vom Pianissimo bis zum dreifachen Forte jede Tonlage und jeden Musikstil, den moderne Chormusik zu bieten hat.

Wie ein Gang durch den Tageslauf war das Konzert, vom Morgen bis zum Abend waren gleißend helle, düstere, schwebende, bis an die Schmerzgrenze gehende und auch einfach wunderschöne Werke zu hören. Selbst für den versierten Chor neu und herausfordernd war von Olivier Messian „O sacrum convivum“. Immer knapp an der Dissonanz bewegte sich das von sphärischen Rückungen bewegte Werk, das laut Hartmann „interessante Farbwerte“ beizusteuern hat.

Heller, mit viel Energie und brillanter Tonsprache erklang „Hail, gladdening light“ von Charles Wood, bei „The conversion of Saul“ von Z. Randall Stroope stampfte der Chor sogar aggressiv. Die Transformation von der Dunkelheit ins Licht zum Ende hin geriet aber wohltuend. Man danke der Kirchengemeinde für den warmen Empfang mit Wohlfühlfaktor, vergaß der Dirigent nicht, sich artig zu bedanken. Dem reichlichen Applaus wusste man mit einer wohldurchdachten Zugabe zu begegnen. Von Joseph Rheinberger, von dem schon das „Morgenlied“ erklungen war, gab es noch das weitaus bekanntere „Abendlied“ zu hören. Mit den wirklich in der gesamten Mauritiuskirche verteilten Sängern geriet dieses Lied zum Ausgang zum unglaublich intensiven Klangerlebnis.

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Pforzheimer Zeitung, 25. Juni 2018, Eckehard Uhlig

Maulbronner Klosterkonzerte begeistern die Zuhörer

Maulbronn. A-cappella-Chöre sind die Königsdisziplin des Chorgesangs und gelten in christlicher Vorstellung als Medium der göttlichen Welt. Zwei befreundete Chor-Ensembles, die diese Disziplin in königlicher Art beherrschen, feierten bei den Maulbronner Klosterkonzerten mit „Jubelklängen“ Jubiläum – der Maulbronner Kammerchor sein 35-jähriges, ClaritasVocalis, ein renommiertes Ensemble aus Hessen, sein zehnjähriges Bestehen. Beide Chöre zeichneten sich in Maulbronn durch atemberaubende Modulationsfähigkeit und Innigkeit aus. Scheinbar locker und leicht wurden Klangbilder für das Gotteslob farbintensiv ausgemalt. Singen mit vorwärts stürmender Energie und friedlich-pastorale Momente wechselten einander ab.

Moderne Tonsprache

Die Klosterkirche erstrahlte im Glanz „Der Töne Licht“, wie das Konzertprogramm treffend überschrieben war. Vor allem aber meisterten die Choristen die hlhen intonationstechnischen Anforderungen der modernen Tonsprache – wie sie zeitgenössisch-internationale Kompositionen in unvergleichlicher Eigenart verwenden – mit großartiger Bravur. Und die Zuhörer ließen sich konzentriert lauschend von dem ungewohnten Erlebnisgehalt beschenken.

Der Kennzeichen des Maulbronner Kammerchors, der den Konzertabend programmatisch mit „Abendständchen“ von Johannes Brahms (nach einem Brentano-Gedicht) einleitete, ist sein kunstvoll ausbalancierter Klangsinn. Da gibt es kein Vordrängeln Einzelner zulasten des harmonischen Gesamtklangs, die individuellen Timbres der Sänger verschmelzen zu einheitlichen Stimmen einer chorischen Wunderharfe. Unter der umsichtigen Leitung von Benjamin Hartmann fächerte der Kammerchor die „Hymn To The Creator Of Light“ von John Rutter (geboren 1945) in halbtonschrittig aufsteigender Vielstimmigkeit auf, um zwischen temperamentvollen Aufschwüngen in getragenem Erzählton den Schöpfer des Lichts zu preisen. Oder er feierte mit Arvo Pärts „Morning Star“ Christus als Orientierungs-Stern, von vokalen Klang- beziehungsweise Licht-Wellen untermalt. Morgenlieder von Josef Gabriel Rheinberger (nach Fallersleben-Gedichten) erfreuten mit spätromantischen Klangfarben, die Hymne „O lux beata trinitas“ des 1962 geborenen Komponisten Ko Matsushita tauchte den frühchristlichen Text des Ambrosius von Mailand mit hohen Sopranstimmen in grell blendendes Licht. Werke von Claude Debussy („Dieu! Qu’il la fait bon regarder!“) und Olivier Messiaen („O sacrum convivium“), die gelassen vorgetragene „Hymne à Saint Martin“ von Vaclovas Augustinas (geboren 1959) oder der dynamisch gesteigerte „Cantus gloriosus“ von Józef Swider (1930-2014) rundeten die Programmbeiträge der Maulbronner facettenreich ab.

Großes Repertoire

Mit klarer Textartikulation, schlanker Transparenz und klangschönen Stimmen begeisterte das von Uwe Heller motivierend geleitete Ensemble ClaritasVocalis das Publikum in der sehr gut besuchten Zisterzienser-Kirche. In ihren Beiträgen kamen auch Renaissance-Komponisten wie William Byrd (übermütig mit „Sing Joyfully“), barocke Meister wie Johann Ludwig Bach (mit dem bedrückenden, von Koloratur-Trauergirlanden verzierten „Unsere Trübsal“) und Gottfried August Homilius (mit dem chorisch machtvoll klingenden Gebet „Unser Vater in dem Himmel“) zu Wort. Teils zart aufblühende, traditionelle Passionsgesänge von Felix Mendelssohn Bartholdy und im Kontrast dazu das mit leidenschaftlichen Vokal-Glissandi interpretierte „Eli, Eli“ (nach Matthäus 27,46) von Georgius Bárdos (1905-1991) zeigten auch hier ein erstaunlich umfassendes Repertoire. Wobei ClaritasVocalis zudem Chorwerke mit solistischen Sopran- und Tenor-Einlagen wie Fanny Hensels „Schweigend singt die Nacht“ und Gustav Holsts „Nunc dimittis“ beisteuerte.

Abschließend sangen beide Chöre gemeinsam das „Ave Maria“ von Franz Biebl (1906-2001) – den klangsatt leuchtenden, im Kirchenraum hallenden Engelsgruß an Maria, voller Würde und Feierlichkeit. Ein faszinierend vielfältiges, mitreißendes Jubel-Konzert.

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Murrhardter Zeitung, 27. Juni 2018, Elisabeth Klaper

Sinnesfreuden für wache Ohren

Murrhardt. Bei seinem Auftritt präsentiert der seit 35 Jahren bestehende, halb professionelle Maulbronner Kammerchor vor einer großen Zuhörerschar in der Stadtkirche a cappella, also ohne Instrumentalbegleitung, sein Projekt „Jubelklänge 2018“. Es umfasst ein breites Spektrum internationaler Chormusik aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA und Japan mit sinfonischen, filigranen und synästhetischen Werken der Romantik und Moderne. Der große homogene Klangkörper aus wohlklingenden, weittragenden Männer- und Frauenstimmen erfüllt den ganzen Kirchenraum.

Die Konzeption und Leitung des Konzerts unter dem Motto „Der Töne Licht“ hat Benjamin Hartmann, der den Kammerchor seit 2016 dirigiert und kurz über das Programm informiert. „Einige Komponisten haben bestimmten Klängen Farben zugeordnet“, erklärt er. Für die Zuhörer sei es eine faszinierende Erfahrung, den Chorgesang zu hören und dabei eine Fülle unterschiedlicher Klangfarben und -nuancen sowie zahlreiche Abstufungen von Licht und Dunkelheit wahrzunehmen.

Die Chorsänger interagieren in vollendeter Harmonie und interpretieren die Werke voller Hingabe und Einfühlungsvermögen innig und ausdrucksstark zugleich. Die Stimmen bilden ein fein ausbalanciertes, facettenreiches Klanggewebe. Souverän und detailgenau gestalten sie traditionelle und moderne, zum Teil außerordentlich schwierig zu singende Kompositionselemente verschiedenster Art. Dabei schwingen sich glockenklare Soprane in höchste Höhen, und sonore Bässe steigen hinab in tiefste Tiefen.

Ein Höhepunkt sind Joseph Gabriel Rheinbergers „Drei geistliche Gesänge“ Opus 69. Die Chorsänger bringen mit feinsinniger Intonation die breiten, reich ausgeschmückten Melodiebögen und nuancenreichen Klangstrukturen dieser spätromantischen, sinfonischen Komposition in voller Schönheit zur Entfaltung. Im „Morgenlied“ mit beschwingter rhythmischer Bewegung symbolisieren strahlend helle, hohe Töne die aufgehende Sonne und scheinen den Kirchenraum zu erleuchten. In der Hymne schweben erhaben wirkende Melodiefigurationen himmelwärts. Das bekannte Abendlied mit sanfter, idyllischer Harmonik bildet als Zugabe den krönenden Abschluss des Konzerts. Dabei verteilen sich die Chorsänger in der Kirche in einer die Zuhörer umrahmender Formation.

Strahlende Lichteffekte, dargestellt mit sehr hohen Tönen, und einen wahren Regenbogen der Klangfarben aus Ganz-, Halb- und Obertönen erzeugen die Chorsänger in „Hymne an den Schöpfer des Lichts“ des Briten John Rutter. Sie ist von der Gregorianik inspiriert, aber mit moderner Tonsprache gestaltet, wobei sich traditionelle und moderne Harmonieelemente stimmig verbinden.

In „Christus ist der Morgenstern“ des Esten Arvo Pärt verwandelt sich eine ernst und eindringlich wirkende Moll-Meditation aus minimalistischen Motiven und glockenartiger Harmonik in einen monumentalen Choral in Dur. In „O Licht, glückselige Dreieinigkeit“, wozu den Japaner Ko Matsushita der gleichnamige gregorianische Hymnus inspirierte, verdichten sich schnelle, ständig wiederholte hohe Töne und Motive sowie fremdartig wirkende Akkorde aus tiefen Männer- und hohen Frauenstimmen zu einem fantasievollen Klangfarbenfeuerwerk.

Im März beging die Musikwelt den 100. Todestag des Franzosen Claude Debussy, Meister des Impressionismus und der filigranen, weichen Klangnuancen. Diese bringen die Chorsänger mit sensibler Intonation stilvoll zur Geltung in „Gott, sie ist so schön anzuschauen“ aus „Drei Lieder von Charles d’Orleans“. Darin verbindet Debussy den spätmittelalterlichen Musikstil des 15. Jahrhunderts, aus dem der Text stammt, mit impressionistischer Tonsprache zu einer Szene aus beschwingten Klängen. Erst geheimnisvoll dunkle, dann immer heller und farbiger erstrahlende ätherische Klanggebilde lässt der Chor durch die Kirche schweben in „O heiliges Abendmahl“ des französischen Synästhetikers Olivier Messiaen. Mitreißende Jubelklänge bringen die Sänger mit Verve im „Cantus gloriosus“ des Polen Józef Swider zum Ausdruck. Darin wechselt Freude, illustriert durch mehrstimmigen, vielschichtigen Gesang in schneller, rhythmischer Bewegung, mit dem nachdenklichen, einstimmigen Innehalten ab, bevor das jubilierende Halleluja in strahlenden hohen Lichttönen zum Himmel steigt. Mit tosendem Applaus danken die Zuhörer dem Chor für das wunderbare Sinneserlebnis, und dessen Leiter Benjamin Hartmann bedankt sich beim Publikum fürs „hoch konzentrierte Zuhören mit wachen Ohren“.

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Pforzheimer Zeitung, 1. Oktober 2018, Wolfram Frey

Doppeljubiläum von Klosterkonzerten und Kammerchor in Maulbronn beendet

Maulbronn. Am Ende einer erfolgreichen Jubiläumssaison stand bei den Klosterkonzerten in Maulbronn der Lobgesang. Nach vielen schönen Konzerten und einem großen Festwochenende zum 50-jährigen Bestehen des Festivals galt das im übertragenen Sinn und ganz konkret in Gestalt der Aufführung der mehr als einstündigen Sinfonie in B-Dur op. 52 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die diesen Beinamen wegen ihres Finales mit Solisten und Chor und der Vertonung von die Psalmtexten trägt.

„Lobgesang“ firmiert als Nr. 2 der fünf großen Sinfonien Mendelssohns, ist aber chronologisch betrachtet seine letzte. Nach drei normalen Instrumentalsätzen steht an Stelle des Finales eine Kantate: „Alles was Odem hat, lobet den Herrn“ in der Hauptsache nach Psalm 150, aber auch nach anderen Stellen aus der Schrift. Das für ein Leipziger Gutenberg-Jubiläum 1840 komponierte Werk wird eher sporadisch gespielt, dann aber meist mit einem recht großen Chor- und Orchesterapparat. Da setzte das Konzert in der voll besetzten Maulbronner Klosterkirche nun einen anderen und spannenden Akzent.

Der vor 35 Jahren gegründete Maulbronner Kammerchor sang in seiner üblichen Besetzung wie bei Bach und Händel oder den A-Capella-Konzerten, den Orchesterpart übernahm die in Maulbronn bekannte und geschätze Hannoversche Hofkapelle in Kammerorchesterstärke.

Auf historischen Instrumenten

Aufführungen der Musik Mendelssohns in historisch informierter Praxis und auf alten Instrumenten sind noch immer die Ausnahme, bringen aber doch meist einen neuen und tiefer gehenden Blick auf diese Musik. Das war auch in Maulbronn so. Mendelssohns Chormusik basiert auf seiner intensiven Kenntnis und Rezeption der barocken Werke Bachs und Händels – und wenn diese mit analoger Transparenz und Beredsamkeit musiziert wird, entfaltet sie ihre Kunst viel intensiver als bei einem vorwiegend auf Klangfülle ausgerichteten Stil.

Benjamin Hartmann am Pult hatte seinen Kammerchor sehr differenziert vorbereitet und zu glasklarem Singen angeleitet. Das gab den polyphonen Partien eine durchsichtige Gestalt und sorgte für ein wahrlich kammermusikalisches Dialogisieren der Stimmen.

Das geschärfte Profil löste gesteigerte Spannung und Vielfarbigkeit aus. Das zeigte sich auch am facettenreich aufgefächerten Orchesterpart mit der virtuos spielenden Hannoverschen Hofkapelle mit Konzertmeisterin Anne Röhrig. Vor allem das Verhältnis von Streicher- und Holzbläserstimmen war optimal – und das lineare Spiel der Streicher fast ohne Vibrato erhellte hier die Struktur.

All diese Tugenden nutzte Benjamin Hartmann für eine formbewusste, im Gestus geschmeidig und im Rhythmus impulsiv angelegte Wiedergabe, die auch in den drei Instrumentalsätzen durch ihre zwingende Kontur gefiel. Ausdrucksvoll gelang der Übergang von der Nacht zum Licht im sechsten Teil des Finales. Die gleichen Qualitäten hatte zuvor die Wiedergabe des 95. Psalms op. 46.

Ganz ausgezeichnet waren die drei Solisten, allen voran der Leipziger Patrick Grahl. Der junge Sänger ist ein lyrischer Tenor von bestechender Schönheit der Stimme und mit einer faszinierenden Deutlichkeit der Diktion. Mit prachtvollem Sopran und dabei immer hochkultiviert in der Linienführung sang Olena Tokar. Mit weichem Timbre und ebenmäßiger Phrasierung gefiel Marie Henriette Reinhold.

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