Solomon

OPERA INTERNATIONAL

Ausgezeichnet mit der Höchstwertung von 5 Noten!

Von Frank Langlois.

1748 komponiert, ebenso wie Susanna, vereint Solomon spirituelle, fast prophetische Größe mit politischen Absichten: Indem er Georg II. und die englische Nation mit Salomon und dem israelischen Volk gleichsetzte, bedankte Händel sich für seine Einbürgerung in England. Die Ausrucksweise hierfür ist episch und malerisch, die Orchestersprache ausgedehnt und prunkvoll. Was die Stimmführung der Rollen angeht, so verbindet sie eine ausdrucksvolle Innigkeit mit einem recht ungekünstelten Stimmaufbau.

Beim Händelschen Oratorium besteht zur Zeit die Tendenz, die (häufig auf die Bühne gebrachte) Opernform auf Kosten einer Konzertaufführung vorzuziehen. Auf der Bühne begünstigt dieses Oratorium die persönliche Identifikation durch divi und dive und verzaubert den inidividuellen Betrachter. Im Gegenstatz dazu läßt es im Konzert den Chorteil, dessen Held das Volk ist, hervortreten und vergrößert die kollektive Aufnahme dieses Werkes. Kurzum, ein individualistischer und den Stars dienender Händel gegen einen Händel, der darum bemüht ist, den Korpsgeist zu festigen! Diese neue phonographische Aufnahme geht aus dieser zweiten Kategorie hervor. Und wenn hier auch keine musikwissenschaftliche oder interpretierende Suche am Werk ist, wird doch eine ausgezeichnete musikalische Arbeit, ganz von Redlichkeit geprägt, vorgestellt.

Redlichkeit ist der richtige Begriff: weil diese Aufnahme, die aus der - technisch hervorragenden - Einspielung von zwei Konzerten hervorgegangen ist, weder täuschen noch auf Tricks des Studios zurückgreifen kann. Obwohl einige Solisten Briten sind, klingt sie "kontinental" und lädt zu Vergleichen und Differenziereungen mit deutschen Zeitgenossen von Händel ein. Durch seine Farbe trägt der Chor - geschmeidig, homogen und reich an vielen Färbungen - dazu in gleichem Maße bei wie das ausgezeichnete Instrumentalensemble.

Die Solistengruppe ist größten Lobes würdig, allen voran Michel Chance; sein Einsatz im Bezug auf Ausdruck und Stimme ist von Anfang bis Ende bewegend. Merken wir uns weiter Nancy Argenta, die trotz eines nicht immer kontrollierten Vibratos die Musik selbst ist, und Julian Podger, der eine Art Händelscher Modelltenor ist.

Mit Freude erleben wir den Dirigenten Jürgen Budday. Da ja das hohe Niveau dieser Aufnahme zu einem großem Teil auf seiner ausgeprägten Musikalität, Sorgfalt und seinem Können beruht, können wir es kaum erwarten, ihn erneut zu hören.

 


 


ZDF in concert, 01. August 2004

Händels Chöre in klösterlichem Gemäuer
Georg Friedrich Händels "Solomon" in neuer Aufnahme

Von Ingo Frommer.

In der Edition Kloster Maulbronn erscheint jetzt das fünfte Oratorium von Georg Friedrich Händel als Teil eines Zyklus der alttestamentarischen Oratorien Händels. "Solomon" ist eine ergreifende Aufnahme, an historischer Stätte aufgeführt.

Georg Friedrich Händel schaffte mit seinen englischsprachigen geistlichen Oratorien eine neue Gattung. Aufführungen von "Esther" (1732) und "Saul" (1739) brachten ihm beachtliche Erfolge. Doch erst der "Messias" von 1742 machte aus dem Oratorium eine von Händels beliebtesten musikalischen Aufführungen. Der Wahllondoner komponierte noch eine ganze Reihe von Oratorien um große biblische Figuren. Das Oratorium "Solomon" entstand 1748, als Händel die Zeit vor der neuen Konzert-Saison nutzte, um gleich zwei neue Oratorien zu komponieren. Das andere ist "Susannah". Das Libretto des "Solomon" basiert auf Texten aus dem 2. Buch Chronic und dem 1. Buch der Könige. Man vermutet, dass Händel mit diesem Sujet eine Hommage an König Georg II. von England schreiben wollte. Händel setzte seine musikalischen Vorstellungen mit viel Blechbläsern und ungewöhnlich vielen Streichern um. Die Instrumentierung wird durch die opulenten Chorpassagen noch unterstrichen.

Ziel der Edition Kloster Maulbronn ist es, barocke Musik historisch getreu aufzuführen. Die klösterlichen Gemäuer von Maulbronn sind da der perfekte Ort. Hier können die historisch rekonstruierten Instrumente ihre volle Wirkung entfalten. Diese Detailtreue lohnt sich. Händels Fähigkeiten, mit seiner Musik die Seele anzusprechen, wird mit jeder Note deutlich.

Historisch Detailgetreu
Doch so richtig tief gehen die Chorpassagen, die Händel zur Meisterschaft geführt hat. Der Maulbronner Kammerchor glänzt bei dieser Aufführung wie schon bei früheren Aufnahmen. Man spürt, dass sich das Ensemble auf die historische Aufführungspraxis eingespielt hat. Zu ihnen gesellen sich herausragende Solisten wie Michael Chance, Nancy Argenta oder Julian Podger.

Händels "Solomon" wird mit der historisch getreuen Aufnahme und seinen exzellenten Solisten zu einer ganz neuen Erfahrung. Sie kann neben Aufnahmen wie der von Paul McCreesh sehr gut bestehen. Die Aufnahme gibt den Charakter des klösterlichen Gemäuers transparent wieder. Wer die Lautstärke schön hoch dreht und die Augen schließt, findet sich plötzlich in den Kreuzgängen des Klosters Maulbronn wieder.

Wunderschön!

 



Die Rheinpfalz, 17. April 2004

Grosse Chorwerke zu grossen biblischen Figuren

Der bemerkenswerte Maulbronner Händel-Zyklus wurde am 27. und 28. September 2003 mit dem späten Oratorium "Solomon" fortgesetzt. Auf zwei CDs liegt nun ein klangtechnisch prächtig gelungener Mitschnitt vor, der die bislang eher schmale Diskographie des hoch bedeutenden Werks in erfreulicher Weise erweitert.

Jürgen Budday bietet mit dem Maulbronner Kammerchor und der Hannoverschen Hofkapelle eine rhetorisch beredte und rhythmisch impulsive Wiedergabe, die die unterschiedlichen Affekte sehr treffend und prägnant zur Wirkung bringt. Der Maulbronner Kammerchor überzeugt als flexibel reagierendes Ensebmble nicht zuletzt durch seine ausgefeilte Diktion. Die Hannoversche Hofkapelle musiziert mit kammermusikalischer Differenzierung.

Exzellent sind die Solopartien besetzt. Michael Chance singt den Solomon in kunstvoller Manier mit feiner Tongebung, superber Linienführung und erlesen Koloraturen. Nancy Argenta als Königin und ertes Weib besticht durch ihre ungebrochen filigrane, glasklare Stimmkultur. Laurie Reviol als Königin von Saba und zweites Weib steht mit der Leichtigkeit ihres hell leuchtenden und anmutig geführten Soprans ihren Kollegen in puncto vokaler Animation nicht nach. Auch der Tenor Julian Podger sorgt als Zadok für barocken Belcanto - und Steffen Balbach gibt souverän den Leviten.

 



Dr. Peter Grahame Woolf, Musical Pointers

Handel Solomon

(...)

The solos are in good hands and voices; the Abbey seems to provide an ideal acoustic and the sound engineering team draws upon long experience of recording there. (...) Michael Chance is authoritative an melliflous as Solomon, Julian Podger's tenor is fine as the priest Zadok and the two contrasting Canadian sopranos are both in perfect voice for their doublings as Queens and Harlots!

All in all, a triumphant recorded concert performance which challenges the earlier studio recordings by John Eliot Gardiner (with a mezzo Solomon, as originally) and Andreas Scholl for Paul McCreesh.

 

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