MESSIAH

Zur Aufführung

Jürgen Budday legt in seiner Interpretation des Messias von G. F. Händel neben der Aufführungspraxis einen wesentlichen Schwerpunkt auf die dynamische Konzeption des Werkes. Zusätzlich zu den dynamischen Angaben im Autograph fügte Händel in der Dubliner Partitur Ripieno-Vorschriften ein und erreichte damit zusammen mit dem Wechsel von Piano und Forte einen hohen Grad von Kontrast und Farbigkeit. Händel schrieb im Messias nicht nur forte, piano und pianissimo vor, sondern beabsichtigte mit mezzopiano und un poco piano eine weitere Differenzierung. Die Ripieno-Vorschriften in der Dubliner Partitur sind bei der Vorbereitung einer Aufführung wohl zu beachten, da sie zum überwiegenden Teil für Händels Konzeption der Dynamik von wesentlicher Bedeutung sind. Als Beispiele seien hierfür die Arien "Comfort ye" (Nr. 2), "EvŒry valley shall be exalted" (Nr. 3), die Chöre "And the glory, the glory of the Lord" (Nr. 4) und "His yoke is easy. His burthen is light!" (Nr. 18) sowie der Anfang des "Halleluja" (CD II, Nr. 16) genannt.

Die Maulbronner Interpretation nimmt diese dynamische Konzeption ernst und differenziert bei den genannten Nummern zwischen Solo und Ripieno. Dadurch ergeben sich zwangsläufig neue und differenziertere Höreindrücke, wie es beispielsweise am Anfang des "Halleluja" deutlich hörbar ist. An anderen Stellen dagegen scheinen Händels Senza Ripieno-Vorschriften von der unzureichenden Fertigkeit seiner Ripienisten her bestimmt und fanden deshalb in der Maulbronner Aufführung keinen Niederschlag. Libretto und Musik für sich und beide als Ganzes bilden eine glückliche Einheit. Das Libretto, welches Charles Jennens zugeschrieben wird, ist keine bloße Zusammenstellung von Bibel-Zitaten. Jennens nahm vielmehr verschiedene Änderungen am Wortlaut der ausgewählten Textstellen vor. Im Zuge verschiedener Aufführungen schrieb Händel zu einigen Arien Varianten, die jeweiligem Anlaß und Gegebenheit Rechnung tragen. Von den Varianten wurden nach sorgfältiger Prüfung jene, die als von Händel bevorzugt gelten können, für die Maulbronner Aufführung ausgewählt.

Der Messias wurde als einheitliches Ganzes konzipiert und komponiert und sollte daher auch in seiner vollständigen Form ungekürzt aufgeführt werden. So auch in dieser Aufnahme. Für die einheitliche Konzeption des ganzen Werkes sprechen zahlreiche Kriterien: die Ausgewogenheit zwischen den 23 Chören und den Solonummern; der durch den Wechsel von Secco-Rezitativ, Accompagnato, Arioso und Arie sowie durch das Nebeneinander von homophoner und polyphoner Schreibweise in den Chören erreichte Kontrast; die Sicherheit in der Charakterisierung erst- und zweitrangiger Höhepunkte; die Verbindung von Arie und Chor durch den gleichen Affekt wie beispielsweise in "But who may abide the day of His coming" (Nr. 6), und "And He shall purify" (Nr. 7). "He shall feed His flock like a shepherd" (Nr. 17) und in "His yoke is easy, His burthen is light" (Nr. 18) oder durch das gleiche melodische Motiv wie beispielsweise in dem Duett "O death, were is thy sting" (CD II, Nr. 21) und dem folgenden Chor "But thanks be to God" (CD II, Nr. 22); das Aufsparen der Da-capo-Arie für Momente besonderer Emphase; der Gebrauch der Tonarten, eine gelegentliche dramatische Haltung, wie sie sich in dem Turba-Chor "He trusted in God" (Nr. 25) oder "Why do the nations" (CD II, Nr. 13) und "Let us break" (CD II, Nr. 14) äußert.

 

Messiah


Georg Friedrich Händel
MESSIAH
Ungekürzte Fassung des Oratoriums in drei Teilen in englischer Originalsprache und historischer Aufführungspraxis

K&K Verlagsanstalt
Edition Kloster Maulbronn, 2005
Doppel-CD, DDD
ISBN 3-930643-20-0,
EAN 42 6000591 035 3
- ausverkauft -

Miriam Allan - Sopran
Michael Chance - Altus
Mark LeBrocq - Tenor
Christopher Purves - Bass
Hannoversche Hofkapelle
Maulbronner Kammerchor
Jürgen Budday

Erhältlich über eine Email an den
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oder direkt bei unseren Konzerten.