Namibia & Südafrika 2001

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Pforzheimer Zeitung im Juni 2001
Der Maulbronner Kammerchor als Kulturbotschafter in Namibia und Südafrika
Harmut Meier

Die Einladung durch die Schütz-Gesellschaft Südafrika und die Unterstützung durch das Auswärtige Amt, ermöglichten es dem Maulbronner Kammerchor über Pfingsten eine sechzehntägige Konzertreise durch das südliche Afrika zu unternehmen und dort in den musikalischen Zentren zu konzertieren. In 16 Tagen 14 Auftritte, darunter in Windhoek, Kapstadt, Johannesburg, Pretoria, Stellenbosch und Bloemfontein.

Nicht nur wegen der vielen Auftritte, teilweise bis zu zwei Kurzauftritte und abendlichem Konzert, war die Reise für die Sängerinnen und Sänger des Maulbronner Kammerchores anstrengend. Die Konzertreise war auch eine Reise der Kontraste, gesellschaftlich, wie musikalisch. Die Tournee begann in Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Wie meistens waren die Chormitglieder nicht in Hotels, sondern in Familien untergebracht. Erste Station war Katutura, eines der großen Townships Windhoeks, in dem auch 11 Jahre nach dem Ende der Apartheid ausschließlich Schwarze wohnen. Der Chor war von der dortigen Lutherischen Gemeinde eingeladen worden, um ein Konzert zu singen und einen Chorleiterworkshop abzuhalten. Das Konzert in Katutura war sicher eines der denkwürdigsten, das der Maulbronner Kammerchor in seiner Geschichte gegeben hat. Nicht nur wegen seiner knapp fünfstündigen Dauer, sondern auch wegen seiner musikalischen Kontraste. Das abwechselnde Musizieren der verschiedenen einheimischen Gesangsensembles mit ihren afrikanischen Rhythmen, ihren typischen Gesangstechniken und den verschiedenen einheimischen Sprachen und Dialekten traf auf die Gesangstradition Mitteleuropas vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik. Ein Konzert das gewiss keine "Weltmusik" war, kein "Crossover", sondern ein Konzert, das gegensätzliche Musikstile und Musiziertraditionen zu einem Ganzen verband, dessen große zusammenhaltende Klammer die geistliche Chormusik war.

In Südafrika war die erste Station des Kammerchores Kapstadt, die Metropole auf der Kap Halbinsel. Das dortige Konzert fand in der St. George Cathedral statt, einem der zentralen Gebäude des modernen Südafrikas. An dieser Kirche wirkte der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu als Bischof und hier wurde Nelson Mandela in sein Amt als Präsident eingeführt und auch verabschiedet. Das dortige Konzertprogramm beinhaltete unter anderem die Bachmotette "Jesu meine Freude" und zeitgenössische a cappella Literatur aus Skandinavien.

Unter den begeisterten Zuhörern war auch der deutsche Generalkonsul Herr Schwirtz, in dessen Begleitung der Chor am nächsten Tag eine Schule in einem der dortigen Townships besuchte, eine der Partnerschulen der Deutschen Schule Kapstadts. In einer musikalischen Feierstunde wurde dort ein extra Raum für die bildende Kunst eingeweiht, der unter anderem mit Hilfe der Deutschen Botschaft gebaut werden konnte.

In der Universitätsstadt Stellenbosch konzertierte der Chor im neuen Konservatorium, das einen wunderschönen Konzertsaal, den Endler, besitzt. Im ersten Teil wurde die Messe in D von Antonin Dvorak und andere geistliche Werke gesungen. Der zweite Teil gehörte dann der weltlichen a cappella Musik mit Werken von Brahms und Mendelsohn bis hin zu Bearbeitungen aus der King's Singers Collection, die besonders enthusiastisch aufgenommen wurden.

Die Kritik in "DIE BURGER", der auflagenstärksten Zeitung Kapstadts, spricht von "einer beinahen hypnotischen Atmosphäre" die der Chor geschaffen habe. Und von "überwältigendem Applaus und überragendem Chorgesang", der zuhören gewesen sei.

In der Provinzhauptstadt Bloemfontein, wurde ein rein geistliches Konzert gesungen, in dem wie in den Konzerten zuvor, Knut Nystedts Komposition "Immortal Bach" von 1998, eine ungeheure Wirkung auf das Publikum ausübte. Erst nach einer lang anhaltenden Pause wurde applaudiert und auch hier durfte der Chor erst nach einigen Zugaben von der Bühne.

Der musikalische und gesellschaftliche Höhepunkt war sicherlich das Konzert in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas. Im großen Konzertsaal der UNISA, der drittgrößten Fernuniversität der Welt, sang der Chor vor der deutschen Botschafterin Frau Peters und Mitgliedern des diplomatischen Chors, die der Einladung der Botschafterin gefolgt waren, sowie vielen Mitgliedern der großen deutschen Gemeinde in Pretoria.

In Johannesburg sang der Maulbronner Kammerchor zusammen mit dem East Rand Youth Choir, der sich auf eine Europatournee vorbereitet ein Konzert. Die Tournee endete bei Rustenburg, der "Platinstadt" Südafrikas, in Kroondal, wo der 14. und letzte Auftritt stattfand, der von den dortigen Gastgebern mit einem Braaivleis, einem typisch südafrikanischen Grillfest, belohnt wurde. Ein Art von Beifall, die von allen Sängerinnen und Sängern mit Begeisterung aufgenommen wurde.

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Copyright © Maulbronner Kammerchor, 2005

Stand: 21. Februar 2005